Pirat-Klassenvorschriften des DSV

gültig ab 1.05.1976 (Stand: 1.04.2000)

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Die Angaben erfolgen ohne Gewähr

  1. Allgemeines
  1. Der Pirat ist eine von Karl Martens entworfene Zweimann-Einheitsjolle.
  2. Diese Klassenvorschriften sollen sicherstellen, daß alle Boote dieser Klasse in allen Punkten, die die Geschwindigkeit und die Segeleigenschaften beeinflussen, soweit wie möglich gleich sind. Die Vorschriften sind in diesem Sinne auszulegen. Alles, was in diesen Klassenvorschriften nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten.
  3. Um unerwünschte Konstruktionen oder Abweichungen von Plänen und Klassenbestimmungen zu verhindern, die nicht im Sinne der Klasse sind und das Prinzip der Einheitsklasse gefährden, können Änderungen in den Plänen oder Klassenbestimmungen kurzfristig vom Technischen Ausschuß (TA) des DSV vorgenommen werden. Änderungen der Klassenvorschriften können nur mit 2/3-Mehrheit der Klassenvereinigungsjahreshauptversammlung beschlossen werden und müssen vom TA des DSV genehmigt werden.
  4. Um technische Verbesserungen zu erproben, die über diese Vorschriften hinausgehen, kann der TA des DSV für die Teilnahme an Regatten einzelnen Booten (höchstens drei) Ausnahmegenehmigungen erteilen. Diese Boote dürfen an nationalen und internationalen Meisterschaften nicht teilnehmen. Nach genügender Erprobung entscheidet der TA des DSV, ob solche Verbesserungen zu Regatten offiziell zugelassen werden.
  5. Alle Boote müssen nach den offiziellen Unterlagen gebaut sein (Klassenvorschriften, Zeichnungen, Meßbrief). Bestehen Widersprüche zwischen Klassenvorschriften, Zeichnungen und Meßbrief, so ist dieses dem TA des DSV zur Klärung vorzulegen.
  6. Die Verwaltung der Klasse obliegt dem DSV in Zusammenarbeit mit der internationalen Klassenvereinigung.
  7. Der DSV und die Klassenvereinigung übernehmen keine rechtliche Haftung hinsichtlich dieser Vorschriften und irgendwelcher daraus abgeleiteter Ansprüche.
  8. Diese Vorschriften sind gültig ab 1.05.1976. Bootsrümpfe, die vor diesem Termin gebaut wurden und diesen Vorschriften nicht entsprechen, können einen Meßbrief erhalten, wenn die zur Zeit des Baues gültigen Vorschriften eingehalten wurden.
  1. Gebühren
  1. Die Vermessungs- und Registriergebühren werden vom nationalen Verband festgelegt und richten sich nach den jeweils gültigen Gebührenordnungen.
  2. Die Lizenzgebühren sind an den DSV zu zahlen.
  1. Hersteller / Baulizenzen
  1. Boote der Piraten-Klasse dürfen nur durch Hersteller gebaut werden, die hierfür vom DSV (Gründgensstraße 18, 22309 Hamburg) lizensiert sind. Eigenbau ist ohne Lizenz erlaubt. Als Eigenbauer gelten die Personen, die nicht mehr als ein Boot im Jahr ausschließlich für ihren Eigenbedarf bauen.
  2. Baulizenzen müssen beim DSV beantragt werden. Bei ausländischen Werften muß dieser Antrag durch den jeweiligen nationalen Verband befürwortet werden.
  3. Die Baulizenzgebühr muß vom Hersteller für jedes gebaute Boot an den DSV gezahlt werden, gleichgültig, ob dieses Boot später vermessen oder registriert wird.
  4. Der Hersteller ist verpflichtet, die Boote der Piratenklasse in Übereinstimmung mit den gültigen Regeln zu bauen.
  5. Der Hersteller ist verpflichtet, unter Verzicht auf die Einrede der Verjährung alle nachweislich beim Bau entstandenen Regelwidrigkeiten auf eigene Kosten zu beseitigen.
  1. Registrierung / Meßbrief
  1. An Klassenwettfahrten dürfen nur solche Boote teilnehmen, für die ein gültiger, vom nationalen Verband abgestempelter und auf den Namen des Eigners ausgestellter Meßbrief vorliegt.
  2. Der Meßbrief wird vom DSV aufgrund eines von einem anerkannten Vermesser ausgefüllten Vermessungsformblattes erstellt; Blanko-Formblätter sind in der DSV-Geschäftsstelle erhältlich.
  3. Mit dem Meßbrief erhält der Eigner eine Vermessungsplakette, die deutlich sichtbar am Spiegel des Bootes anzubringen ist. Diese Plakette kennzeichnet das Boot als ordnungsgemäß vermessen.
  4. Der Meßbrief wird ungültig durch
    (a) Eignerwechsel: In diesem Fall muß der Meßbrief beim DSV eingereicht werden, zusammen mit einer Erklärung des Voreigners, daß am Boot keine Veränderungen vorgenommen wurden, die gegen die Klassenbestimmungen verstoßen.
    (b) Änderungen am Rumpf, Rigg oder Segel. Hierzu ist eine Nachvermessung durch einen DSV-Vermesser notwendig.
  5. Regel 4 kann ersetzt werden durch entsprechende Vorschriften anderer nationaler Verbände.
  1. Vermessung
  1. Die Vermessung darf nur durch einen vom nat. Verband anerkannten Vermesser vorgenommen werden.
  2. Kein Vermesser darf ein Boot, Spieren, Segel oder Ausrüstung vermessen, die ihm gehören, die von ihm hergestellt wurden bzw. an denen er beteiligt oder Miteigentümer ist.
  3. Die Vermessung muß mit den offiziellen DSV-Schablonen erfolgen.
  4. Soweit die Vorschrift nichts anderes aussagt, gelten die Vermessungsvorschriften der IYRU.
  5. Nach der Erstvermessung ist der Eigner verantwortlich für die Einhaltung der Klassenvorschriften.
  1. Identifizierungszeichen
  1. Die Unterscheidungsnummer ist in gut lesbar großen Zahlen in den Kiel bzw. Doppelboden hinter dem Schwertkasten einzubrennen, einzuschneiden oder bei Kunststoffbooten auf eine fest eingegossene Metallplatte einzuschlagen. Die im Segel gefahrene Nummer und die am Rumpf angebrachte Nummer müssen identisch sein.
  2. Das Klassenzeichen, die Nationalbuchstaben und die Unterscheidungsnummer ist in einer Gruppierung, daß sich das Zentrum der Gruppe oberhalb der halben Höhe des Segels befindet und sich farbig scharf von diesem abhebt, auf beiden Seiten des Großsegels in unterschiedlicher Höhe anzubringen, und zwar an Steuerbord höher als an Backbord.
    Am Spinnaker sind etwa in halber Höhe auf beiden Seiten die Unterscheidungsnummern anzubringen (bei Wettfahrten im Ausland zusätzlich der Nationalbuchstabe).
  3. Das Klassenzeichen besteht aus einem roten Piratenbeil. Das Zeichen ist auf beiden Seiten des Segels deckungsgleich mit der Schneide nach vorn anzubringen.
    Europa-Cup-Sieger dürfen das Klassenzeichen in Gold fahren, nationale Meister in Silber. Diese Auszeichnungen sind auf den jeweiligen Steuermann beschränkt.
  4. Die Größe, Lesbarkeit und der Mindestabstand der Schriftzeichen muß sich in Übereinstimmung mit den entsprechenden Regeln der letzten WR befinden.
  5. Ab Segelvermessungsdatum 01.04.00 müssen die Nationalitätsbuchstaben in Übereinstimmung mit der letzten WR geführt werden.
  1. Bauverfahren
  1. Jedes Boot muß in genauer Übereinstimmung mit den Zeichnungen und diesen Bauvorschriften gebaut werden. Alle zugelassenen Abweichungen und freigestellten Ausführungen sind besonders aufgeführt.
  2. Als Baumaterialien sind zugelassen: Vollholz, Sperrholz mit GL- oder vergleichbarem Gütesiegel, glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) und Sandwich. Kevlar und Kohlefaser sind verboten.
  3. Das nachfolgende Baubesteck ist für Holz- und Sperrholzbauteile vorgeschrieben
  1. Alle Abmessungen, Querschnitte und Stückzahlen sind Mindestmaße. Alle Entfernungen und Abstände der Bauteile sind Höchstmaße.
  2. Für Kiel, Vorsteven, Vorstevenknie, Spiegel, Mastspur, Spanten, Bodenwrangen, Kimmweger und Deckweger ist die Holzart über 560 kg/m3 freigestellt. Die Maße sind den Zeichnungen zu entnehmen. Bei lamelliertem Steven kann das Stevenknie entfallen.
  3. Decksbalken, Deckstringer: Holzart freigestellt, Maße nach Zeichnung
  4. Außenhaut und Deck (Mindeststärken):

(I) Holzart unter 560 kg/m3 10 mm
(II) Holzart über 560 kg/m3 9 mm
(III) Sperholz Rumpf 8 mm
Deck 6 mm

(IV) GFK Rumpf 4,5 mm
Deck 4 mm

(V) Sandwich GFK-Außen- und Innenlaminat
zusammen 3,5 mm
Sandwich-Material 2,5 mm

    Als Sandwich-Baumaterial für Rumpf und Deck ist nur zugelassen: Glasfaser, Polyesterharze, geschlossenzelliger Schaum mit einem Gewicht von mind. 80 kg/m3 sowie Hirnholz Balsa. Die Materialstärken sowie Art der Materialien müssen über die gesamte Schiffslänge des Rumpfes bzw. des Decks in gleicher Stärke und Art verlaufen, mit Ausnahme einer Breite von 60mm beiderseitig von der Kimm sowie der ideellen Kielbreite.
    Es darf kein Versuch unternommen werden, etwa durch verschiedene Rumpf- oder Deckstärken, durch die Verwendung verschiedener Materialien oder Bauverfahren,verschieden starker Glasmatten oder Sättigungsgrade, Gewicht in der Mitte des Rumpfes zu konzentrieren. Bei Verdacht, daß diese Regel gebrochen wurde, können auf Veranlassung des nat. Verbandes, der Klassenvereinigung oder des Vermessers Probelöcher in ausreichender Zahl (aber nicht mehr als 10) über die Schiffslänge verteilt, gebohrt werden, um die Einhaltung dieser Regel zu überprüfen.
  1. Schwertkasten (Mindeststärken):

    (I) Seitenbeplankung:
    Holzart über 560 kg/m3 22 mm
    Sperrholz 16 mm

    (II) Schwertkastensteifen an jeder Bodenwrange, Abmessungen nach Zeichnung

  2. Fußboden (Mindeststärken):

Vollholz 12mm

Sperrholz 8 mm

  1. Das unter Regel 11 festgelegte Gewicht und die Schwerpunktlage ist durch das Baubesteck für Vollholzausführungen bestimmt und gewährleistet. Bei der Bauausführung nach Sperrholz und Kunststoff sind diese Forderungen ebenfalls einzuhalten und nachzuweisen, um für alle Bauausführungen zu Regatten die gleichen Bedingungen sicherzustellen.
  2. Es ist die größte Sorgfalt anzuwenden, um sicherzustellen, daß alle Boote in Form und Bauausführung gleich sind. Abweichungen der Maße und Abmessungen der Bauteile über oder unter die vorgeschriebenen zulässigen Abweichungen hinaus, die nur für unvermeidliche geringfügige Bauungenauigkeiten gedacht sind, werden auf keinen Fall zugelassen. Verstärkungen dürfen nicht ungewöhnlich schwer sein (als Anhalt gelten die Holzbauzeichnungen). Es ist verboten, mittels ungewöhnlicher Verstärkungen Gewicht zu konzentrieren bzw. Untergewicht auszugleichen. Im Zweifelsfall ist der TA des DSV zu befragen.
  3. Die Spantflächen müssen gerade sein. Lediglich vor Spant 10 ist eine leichte Abweichung von der Geraden von max. 2 mm erlaubt.
  4. Der Raum unter dem Seitendeck und dem Fußboden darf als Auftriebskammer ausgebaut werden.
  5. Scheuerleiste: Gummi, GFK, Holzart über 560 kg/m3 freigestellt.
  6. Die Kimm darf nur mit einem Radius von höchstens 8 mm abgerundet werden.
  7. Spantenlose Sperrholzbauweise gemäß Blatt 2a ist zulässig.
  8. Es muß ein Wellenbrecher vorhanden sein. Die Höhe muß in der Mitte mindestens 50 mm betragen, die Schenkellänge an Deck gemessen muß mindestens 700 mm betragen.
  9. 2 durch Klappen verschließbare Lenzöffnungen von je 120 cm2 im Spiegel sind erlaubt. Die Öffnungen oder hervorragende Klappen müssen mind. 10 mm von der Außenkante Rumpf entfernt sein. Die Klappen dürfen nicht nach unten öffnen.
  1. Rumpfvermessung
  1. Rumpf
  1. Vor Beginn der Vermessung muß die waagerechte Lage des Bootes in Längs- und Querschiffsrichtung überprüft werden. Die in 8.1.2 (II) definierte Basislinie bestimmt die waagerechte Lage des Bootes in Längsschiffslinie.
  2. Der Vermessungsursprungspunkt ist die gedachte Fläche "0", die den Schnittpunkt Unterkante Kiel/ Achterkante Spiegel senkrecht zur Basis und rechtwinklig zur Mitschiffslinie berührt.

(I) An den Vermessungspanten werden der Kielsprung und die Formtreue mittels der unter
8.1.5 angegebenen Maße überprüft. Alle Messungen erfolgen über Außenkante
Außenhaut.

(II) Die Basislinie wird festgelegt durch die Maße H 0
(Basis bis Unterkante Kiel am Spiegel) und H 10
(Basis bis Unterkante Kiel an Spant 10)

  1. Länge des Bootskörpers über Alles: LA 5000mm ± 15mm

(I) Ein nicht zu vermessender Stevenbeschlag von höchstens 10mm Dicke ist erlaubt.

(II) Klebekanten für GFK-Bauten werden nicht berücksichtigt.

  1. Größte Breite über Außenkante Außenhaut: BMAX 1610mm ± 20mm

(I) Größte Höhe der Scheuerleiste: max. 30mm

(II) Größte Breite der Scheuerleiste einschließlich Klebekanten: max. 12mm

  1. Vermessung an den Spanten

Plan Rumpf

  Spantenabstände von der Fläche Kiel bis Basis Ideelle Kielbreite max. Breite Kielabrundung Schandeck Basis Kimmhöhen über Basis Kimmbreiten Breiten über Deck
  "O" "H" "K 1" "K 2" "HD" "HK" "BK" "B"
0 0 245 ± 0 20 ± 5 50 600 ± 20 325 ± 5 750 ± 10 866 ± 10
1 430 173 ± 5 42 ± 5 65   288 ± 5    
3 1290 70 ± 5 62 ± 5 85 579 ± 10 244 ± 5 1335 ± 10 1480 ± 10
6 2580 35 ± 5 76 ± 5 95 600 ± 10 236 ± 5 1375 ± 10 1570 ± 10
9 3870 112 ± 5 58 ± 5 80 654 ± 10 305 ± 5 786 ± 10 1018 ± 10
10 4300 158 ± 0 40 ± 5 55        
11 4730 217 ± 5            

Die Form des Stevens ist mit einer offiziellen DSV-Schablone zu kontrollieren. Die Unterkante der Schablone wird an Spant 10 angelegt.
Der Spalt zwischen Steven und Schablone darf nicht größer sein als 20mm (= Toleranz am Stevenkopf ± 20mm.)

  1. Schwertbolzen/Schwertschlitz

(I) Mitte Schwertbolzen vor Spant 6 LSB 370mm ± 10mm

(II) Mitte Schwertbolzen bis Basis HSB 125mm ± 10mm

(III) Breite des Schwertkastenschlitzes BSK max. 15mm

  1. Deck und Cockpit
    1. Länge des Achterdecks: LDA 860mm ± 20mm
    2. Von Fläche "0" bis Mitte Püttingeisen: LW 3100mm ± 20mm
      Abstand Mitte Püttingeisen von Schandeckslinie: max. 35mm
    3. Fläche "0" bis Vorkante Mastausschnitt: LM 3440mm ± 10mm
    4. Fläche "0" bis Schnittpunkt Mitte Fockvorliek/Deck: LVS 4740mm ± 5mm
    5. Fläche "0" bis Hinterkante Vordeck: LDV 3350mm ± 20mm
    6. Seitendecksbreiten

    (I) Breite der Seitendecks bei Spant 3: BD3 220mm + 25mm/ Ð 10mm

    (II) Breite der Seitendecks bei Spant 6: BD6 250mm + 25mm/ Ð 10mm

    (III) Breite der Seitendecks querab von LDV: BDV 300mm + 25mm/ Ð 10mm

    (IV) Die größte Decksbreite muß an einem Punkt erreicht sein, der höchstens 30mm unter
    Schandeck liegt. Kein Teil eines eingebauten Seitentanks darf weiter in das Cockpit
    hineinragen, ausgenommen eine maximale Abrundung von 30mm zum Fußboden
    bzw. Remmleiste.

    (V) Die Oberseite des Seitendecks muß gerade sein bis zu einem Punkt,
    der höchstens 80mm von der Innenkante des Decks entfernt liegt. Zwischen diesem
    Punkt und dem nach (IV) definierten Punkt ist die Bauausführung des Decks freigestellt.

    (VI) Die Balkenbucht an Hinterkante Vordeck darf max. 60mm betragen.

    (VII) Abrupte Vertiefungen in den Decksflächen sind nicht erlaubt. Durchbrüche sind nur für die
    Durchführung von Tauwerk erlaubt. In den Auftriebstanks dürfen keine Decksdurchbrüche
    vor handen sein.

    1. Fußboden

    (I) Länge des Fußbodens: LF min. 2500mm

    (II) Breite des Fußbodens einschl. Remmleiste an Vorkante Cockpit:
    BFV min. 610mm

    (III) desgl. an Hinterkante Schwertkasten: BFM min. 1080mm

    (IV) desgl. an Achterkante Cockpit: BFA min. 800mm

    (V) Höhe des Fußbodens unter Schandeck an Spant 3: HF3 305mm ± 40mm

    (VI) Höhe des Fußbodens unter Schandeck an Spant 6: HF6 355mm ± 40mm

    (VII) Höhe des Fußbodens unter Schandeck an Vorderkante Cockpit:
    HFV 355mm ± 40mm

    1. Schwertkasten

      Höhe des Schwertkastens einschl. Deckbrett über Unterkante Kiel an Spant 6: HSK min. 500mm, Dichtungslippen sind nicht erlaubt. Die Schwertkastenseiten dürfen im Bereich des Schwertbolzens eine Verstärkung aus Material mit einem spezifischen Gewicht nicht schwerer als Stahl von max. 150x100mm aufweisen, Gewicht beider Platten max. 750g.
  1. Auftrieb

    Auftriebskörper für Holzbauweise (min. 250l), für Kunststoffbauweise (min. 400l), für Kunststoffrumpf mit Holzdeck (min. 350l), für Sandwichbauweise (min. 300l) beiderseits unter den Seitendecks bzw. Vor- und Achterschiff sind vorgeschrieben. Die Anbringung muß so erfolgen, daß im vollgelaufenen Zustand das Boot annähernd waagerecht schwimmt. Der Auftrieb muß aus geschlossenzelligem Schaumstoff oder luftgefüllten Auftriebskörpern in entsprechender Größe bestehen.
  1. Schwert
  1. Das Schwert muß aus 5mm Schiffbaustahl oder legiertem Stahl gefertigt sein. Bei Kunststoffbeschichtung oder Anstrich darf die durch Beschichtung verursachte Gesamtstärke von max. 6mm nicht überschritten werden. Es muß um einen (nach 8.1.7) an vorgeschriebener Stelle angebrachten, fest eingebauten Bolzen drehbar angeordnet sein. Der Schwertbolzen von ¿ 12 ± 2mm muß durch die Schwertkastenseiten durchgeführt werden.
  2. Die Form des Schwertes ist nach Vermessungsplan auszuführen.

Pläne Schwert und Ruder

  1. Ruder
  1. Als Material ist zugelassen: Holz - Kunststoff (max. 20mm), Stahl (4mm), Aluminium (6mm). Bei der Ausführung in Stahl oder Aluminium ist wahlweise ein festes oder ein Senkruder erlaubt.
  2. Die Form des Ruders einschl. des Kopfes muß dem Vermessungsplan entsprechen.
  3. Der Knick an Vorkante Ruderblatt muß sich ± 5mm über oder unter der Verlängerung von Unterkante Kiel befinden.
  4. Der Abstand zwischen Ruderkopf und Spiegel darf höchstens 45mm betragen. Die Differenz der Abstände an Oberkante bzw. Unterkante Ruderkopf darf nicht größer sein als 2mm.
  5. Ruderbeschläge, Form und Länge der Pinne sindfreigestellt, die Pinne muß jedoch direkt am Ruderkopf angreifen.
  6. Das Gewicht des kompletten Ruders einschl. der festen Beschläge, Pinne und Ausleger beträgt min. 4kg.
  7. Jegliche Gewichtskonzentrationen sind verboten.
  1. Gewicht
  1. Das Gewicht des Bootskörpers in holztrokkenem Zustand ohne Spieren und Takelage, ohne Schwert, Ruder und Pinne, ohne laufendes Gut und ohne Ausrüstung, sonst komplett einschließlich Fußboden und Auftrieb nach Regel 8.3 darf nicht kleiner sein als 170kg. Ausgleichsgewichte von max. 10kg sind erlaubt. Ohne Ausgleichsgewichte darf das Boot also nicht leichter als 160kg sein.
  2. Die Ausgleichsgewichte müssen aus Metall bestehen und je in Hälften oder Vierteln an Unterseite Deck direkt vor und hinter dem Cockpit zur Zufriedenheit des Vermessers befestigt und vermarkt sein. Anzahl und Gewicht sind in den Meßbrief einzutragen.
  3. Das Gewicht des segelfertigen Bootes einschl. Schwert, Schwerttalje, Ruderanlage, Rigg sowie Ausrüstung nach Regel 18, jedoch ohne Anker, Segel, Schoten darf 218kg nicht unterschreiten.
  4. Der Schwerpunkt des unter 11.1 beschriebenen Bootskörpers (einschl. der Ausgleichsgewichte gem. Abs. 11.2) muß folgenden Vorschriften entsprechen: Bei Lagerung auf einem der Schandecks muß der Bootskörper balancieren. Der Rumpf muß dabei ohne weitere Stütze mit der oberen Schandeckkante eine senkrechte Fläche (Lot) berühren, deren Fußpunkt nicht mehr als 460mm vom unteren Unterstützungspunkt entfernt ist. Zusätzlich notwendige Korrekturgewichte sind gleichmäßig beidseitig unter den Seitendecks so anzubringen, daß der Balancezustand erreicht wird. Diese Korrekturgewichte sind ebenfalls so zu vermarken, daß sie nicht unbemerkt entfernt werden können.
  1. Mast
  1. Material: Holz oder Leichtmetall
  2. Drehbare oder permanent gebogene Masten sind verboten.
  3. Sich farbig absetzende Meßmarken von 10mm Breite sind am Mast wie folgt anzubringen:

    (I) Oberkante Meßmarke I über Oberkante Deck: M I 270mm ± 50mm

    (II) Unterkante Meßmarke II über Oberkante Meßmarke I: M II max. 5515mm
  4. Länge Oberkante Deck bis Schnittpunkt Vorstag + Wanten mit Außenkante Mast: MVS max. 4310mm
  5. Länge von Deck bis Oberkante Spinnakerfallrolle: MSP max. 4440mm
  6. Abstand von Vorderkante Spinnakerfallrolle bis Vorkante Mast max. 100mm
  7. Außenabmessung des Profils: min. 70 x 55mm

    (I) Die LM-Ausführung muß aus gleichmäßigem Profil (min. 55 x 55mm) vom Mastfuß bis max. 620mm über Deck bestehen. In diesem Bereich sind Ausschnitte zur Segeleinführung und Anbringung von Beschlägen erlaubt. Darüber muß ein gleichmäßiges Profil (Außenabmessung min. 70 x 55mm) bis 4400mm über Deck bestehen. Von dieser Stelle nach oben darf gleichmäßig verjüngt werden.

    (II) Der Durchmesser des Mastes an der oberen Meßmarke darf nicht kleiner sein als min. 15mm.
  8. Ein Mastcontroller ist nicht erlaubt. Der Mast darf nur im Deck mit den üblichen Mastkeilen festgekeilt werden. In Deckhöhe kann an Hinterkante Mast ein Klappbügel zur Sicherung vorgesehen werden.
  9. Das Topgewicht des Mastes beträgt mindestens 3kg. Für die Ermittlung des Topgewichtes wird das stehende Gut parallel zum Mast nach unten geführt, und die Fallen befinden sich in Segelposition. Der Mast wird in waagerechter Lage bei Oberkante MM I abgestützt und bei Unterkante MM II gewogen.
  1. Großbaum
  1. Material: Holz oder Leichtmetall
  2. Permanent gebogene Bäume sind verboten.
  3. Ein sich farbig absetzendes 10mm breites Band muß am Baum so angebracht sein, daß Innenkante Meßband höchstens 2680 mm von Hinterkante Mast entfernt ist (M III max. 2680)
  4. Der Baum einschl. der festen Beschläge muß durch einen Kreis von 100mm geschoben werden können.
  5. Der Abstand zwischen Hinterseite Mast und Drehpunkt des Baumlümmellagers darf nicht größer sein als 35mm.
  1. Spinnakerbaum
  1. Material: Holz oder Leichtmetall
  2. Länge über Außenkante Beschläge: SPL max. 1600mm
  3. Die Höhe des Spinnakerbaumbeschlages am Mast ist beliebig.
  4. Maximale Größe der Spinnakerbaumbefestigung an Vorkante Mast: 30mm
  1. Stehendes / Laufendes Gut
  1. Für Wanten und Vorstag ist wahlweise Nirostahl zugelassen (Stärke min. 2,5 mm). Erlaubt sind lediglich 2 Wanten und 1 Vorstag.
  2. Eine gerade Saling einfacher Bauart ist erlaubt (¿ max. 40mm).
  3. Für das Vorstag und Fockfall ist ein Beschlag am Mast gestattet, doch muß der Schnittpunkt des Vorstages und der Wanten bzw. deren Verlängerung genau in der vorgeschriebenen Höhe liegen. Das Vorstag muß während einer Wettfahrt vorlich vom Vorliek des Vorsegels gefahren werden. Es muß am Mast und an Deck befestigt sein. Eine Verstellung während der Wettfahrt ist nicht erlaubt. Das Vorstag muß dem Mast Halt geben, wenn das Vorsegelfall oder Hals im starken Wind gebrochen ist.
  4. Ein Focktuchstrecker ist erlaubt, die Durchführung durch das Deck ist gestattet.
  5. Die Großschotführung ist freigestellt; ein Leitwagen ist erlaubt. Die Großschotführung muß innerhalb des Cockpits liegen.
  6. Das Material der Großsegel- und Spinnakerfallen ist freigestellt. Das Fockfall muß vom Segelkopf bis zum Befestigungspunkt aus Stahldraht, von dort aus als Tauvorläufer bestehen. Strecker sind an diesen Fallen nicht erlaubt.
  7. Die Führung der Schwerttalje und des Spinnakerfalls ist freigestellt.
  8. Trapez oder ähnliche Auslegevorrichtungen sind verboten.
  9. Barberholer für Spinnakerschoten sind erlaubt.
  1. Beschläge
  1. Die Ausführung der erlaubten Beschläge ist freigestellt, soweit diese Vorschrift nichts anderes aussagt.
  2. Ein Sicherungsbeschlag gegen Herausfallen des Ruders ist vorgeschrieben.
  3. Klappwantenspanner, "Bierkästen", Vorsegelstrecker, Rollfockvorrichtung und verstellbarer Mastfußbeschlag sind verboten.
  4. Fockholepunkte müssen sich innerhalb der Decksflächen befinden. Fockschotführung innerhalb des Cockpits, auch durch Barberholer, ist verboten. Als Vermessungspunkt für die Führung gilt die innere Anlagefläche der Fockleitöse. Die obere Anlagefläche der Öse darf in der jeweiligen Spantebene eine Höhe von 100mm über Schandeck nicht überschreiten.
  5. Mechanische oder hydraulische Niederholerkonstruktionen, die in der Lage sind, Druck aufzunehmen, sind verboten.
  1. Segel
  1. Während einer Regatta dürfen nur Segel gefahren werden, die von einem amtlichen Vermesser eines nationalen Verbandes abgestempelt sind.
  1. Für die Vermessung müssen die Segel trocken sein. Das Segeltuch ist so straff zu spannen, daß Falten quer zur Vermessungslinie verschwinden.
  2. Die Segel sollen aus Natur- oder synthetischem Material gefertigt werden; das Mindestgewicht für synthetische Stoffe soll 125 g/m2, für Naturstoffe (Baumwolle, Leinen) 150 g/m2 nicht unterschreiten. Die Segel müssen aus gewebtem Material bestehen. Als gewebtes Material sind Materialien anzusehen, bei denen sich die Fasern voneinander trennen lassen, ohne daß Filmrückstände übrig bleiben. Kohlestofffasern in den Segeln sind verboten.


Plan Rigg und Segel

  1. Großsegel
    1. Das Segel darf nur innerhalb der Vermessungsmarken gefahren werden. Die Oberkante des Großbaumes darf sich in rechtwinkliger Stellung zum Mast nicht unterhalb der oberen Kante der Meßmarke I befinden.
    2. Länge der Sehne des Achterlieks: AL max. 5380mm

      (I) Die Breite des Großsegels von Mitte Achterliek zum naheliegensten Punkt des Vorlieks
      einschließlich Liektau: 1/2 W max. 1675mm

      (II) Die Breite des Großsegels vom 1/4 Achterliekspunkt (vom Kopfvermessungspunkt) zum
      nächstliegenden Punkt des Vorlieks, einschließlich Liektau: 1/4 W max. 970mm

    3. (I) Das Achterliek muß in einer gleichmäßigen Kurve verlaufen.
      Es wird durch 4 Latten in fünf annähernd gleiche Abschnitte unterteilt (Toleranz ± 50mm).
      Die 3 oberen Latten laufen senkrecht zum Achterliek, die untere angenähert parallel zum
      Großbaum.

      (II) Länge der oberen und unteren Segellatte: max. 350mm

      (III) Länge der zwei mittleren Segellatten: max. 500mm - Breite der Latten: max. 40mm

      (IV) Die Länge der Lattentaschen darf um max. 50mm größer sein als die entsprechende
      Lattenlänge.
    4. Die Breite des Kopfes und Kopfbrettes rechtwinklig
      bis Achterkante des Liektaues gemessen: max. 130mm
    5. 2 Fenster sind erlaubt von zusammen max. 0,3m
    6. Im Segel dürfen keine Reißverschlüsse, doppelte Fußlieken o.ä. Vorrichtungen gefahren werden.
    7. Verstärkungen am inneren Ende der Lattentaschen sind erlaubt. Die Verstärkungen müssen in ein Qudrat von 150mm passen und dürfen aus selbstklebendem Tuch bestehen.
    8. Das Tuch darf nicht stärker als das im übrigen Segel verwendete Tuch sein.

  2. Vorsegel
  1. Vorliek: VL max. 4100mm
  2. Unterliek: UL max. 1520mm
  3. Achterliek: AL max. 3620mm
  4. Unterlieksrundung max. 170mm von der Geraden zwischen Schothorn und Hals. Als Vermessungspunkte für die "Gerade" gelten die Vermessungspunkte für die Unterliekslänge des Vorsegels.
  5. Die Kopfbreite einschließlich Liek darf nicht größer sein als max. 30mm.
  6. Im Vorliek muß ein loser Liekdraht, Mindestdurchmesser 3mm, gefahren werden.
  7. Im Vorsegel dürfen keine Latten gefahren werden.
  8. 2 Fenster sind erlaubt von zusammen max. 0,2 m2.
  9. (I) Regel 64.5 der IWB hat keine Gültigkeit. Ab Vermessungsdatum 1.4.1990 darf das
    Achterliek nicht konvex ausgeführt sein.

    (II) Im Halsbereich dürfen sich im Segel unterhalb der Halskausche keine weiteren Kauschen
    oder Befestigungen befinden.

  1. Spinnaker
  1. Seitenlieken: SL max. 4180mm
  2. Mittellinie: ML max. 4550mm
  3. 1/2 Unterliek: UL max. 1300mm
  4. 1/2 Mittelbreite: 1/2 M 1730mm
  5. Tuchgewicht: min 30g/m2
  6. Kopfholz oder andere feste Verstärkungen höchstens 50 mm. Tuchversteifung bei Kopf und Schothörnern höchstens max. 280 mm. Darüber hinausgehende Verstärkungen sind nicht erlaubt.
  1. Ausrüstung

Mit Ausnahme von Zeitnehmern sind elektronische Geräte während einer Wettfahrt verboten.

Folgende Ausrüstung muß bei Wettfahrten an Bord vorhanden sein:

  • 1 Anker (min. 5kg) muß an Bord geführt werden, wenn die Segelanweisungen dieses vorschreiben.
  • 1 Trosse von 10m Länge und 10mm Durchmesser
  • 2 Rettungswesten
  • Ößfaß oder eine Lenzpumpe
  • 1 Paddel
  • Eine Vorrichtung, welche in durchgekentertem Zustand sicherstellen kann, daß die untere Schwertecke min. 100mm Abstand außerhalb vom Rumpf hat.

Ergänzende Vorschriften für Klassenwettfahrten

  1. Wettsegelbestimmungen
  2. In direktem Zusammenhang mit diesen Klassenregeln stehen folgende Regeln der IWB: 19, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 54, 65, 66, 68. Klassenwettfahrten werden nach den IWB sowie der Wettfahrtordnung des DSV ausgetragen. Von diesen Bestimmungen darf nur mit Zustimmung des DSV abgewichen werden.

  3. Klassenvorschriften
  1. Diese Klassenvorschrift ist bindend für alle Regatten. Wettfahrtausschüsse sind nicht berechtigt, von diesen Vorschriften abzuweichen.
  2. Der Eigner ist dafür verantwortlich, daß sein Boot den Klassenvorschriften entspricht.
  3. Während einer Regatta darf nur je 1 Großsegel, 1 Fock, 1 Spinnaker an Bord sein.
  1. Vermessung
    1. Jeder Eigner ist verpflichtet, sein Boot bei stattfindenden Kontrollvermessungen dem Vermesser vorzuführen.
    2. Wird bei Kontrollvermessungen eine Verletzung dieser Klassenvorschriften festgestellt, so muß der Wettfahrtausschuß die gem. IWB vorgesehenen Maßnahmen treffen. Weiterhin ist dem DSV über diesen Vorfall Bericht zu erstatten.

  2. Besatzung

Die Besatzung muß aus 2 Personen bestehen, die Amateure sein müssen.

Im Zweifel haben diese Bauvorschriften Vorrang vor den Zeichnungen